Verursachen hochpotente Marihuana-Konzentrate bei Konsumenten ein stärkeres High?

hochpotente Marihuana-Konzentrate

Verursachen hochpotente Marihuana-Konzentrate bei Konsumenten ein stärkeres High?

Hochpotente Marihuana-Konzentrate, die heutzutage vielerorts legal zu kaufen sind, können mehr als 90 Prozent THC enthalten, so dass viele zu Recht davon ausgehen, dass sie eine stärkere psychoaktive Wirkung haben als die typische Blüte, die etwa 30 Prozent THC enthält.

Aber diese Annahme könnte, laut einer neuen Studie der Universität von Colorado in Boulder, falsch sein. Forscher fanden heraus, dass zwar der THC-Spiegel im Blut der Teilnehmer nach dem Konsum von Konzentraten in die Höhe schoss, sich aber die Beeinträchtigung durch den Wirkstoff nicht signifikant von jenen Teilnehmern unterschied, die Blüten konsumierten hatten.

“Überraschenderweise stellten wir fest, dass sich die Potenz nicht durch den Rauschpegel rückverfolgen ließ”, sagte Hauptautorin Cinnamon Bidwell, Assistenzprofessorin am Institut für kognitive Wissenschaft der CU. “Zwar sahen wir auffällige Unterschiede in den Blutwerten zwischen den beiden Gruppen, aber beide waren vom Wirkstoff ähnlich beeinträchtigt.

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Hochpotentes vs. Niedrigpotentes Marihuana

An der Studie, die am Mittwoch in der JAMA Psychiatry veröffentlicht wurde, nahmen 121 Erwachsene aus Colorado teil, allesamt regelmäßige Marihuana-Konsumenten. Den Teilnehmern wurde nach dem Zufallsprinzip entweder der Konsum von Marihuana-Blüten, mit relativ niedrigem THC-Gehalt von 16-24 Prozent, oder von Konzentraten mit höherer Potenz, von 70-90 Prozent, zugewiesen. Zu verschiedenen Zeiten testeten die Forscher den THC-Spiegel im Blutplasma der Teilnehmer, befragten sie bezüglich ihrer Stimmung und unterzogen sie einer Reihe von Aufgaben im Bereich des neurologischen Verhaltens, mit denen die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis, die Hemmkontrolle und das Gleichgewicht getestet werden sollten.

Die Forscher benutzten ein mobiles pharmakologisches Labor, das sie “Cannavan” tauften, um den Cannabis-Gebrauch der Teilnehmer zu erforschen, während sie sich gleichzeitig an das Bundesgesetz hielten, sagte die Universität von Colorado.

“Die meisten Werte des neurologischen Verhaltens wurden durch kurzfristigen Cannabiskonsum nicht verändert”, ergab die Studie. “Allerdings kam es nach dem Konsum zur Beeinträchtigung in Form eines verzögerten verbalen Erinnerungsvermögens und Problemen bezüglich der Gleichgewichtsfunktion. Unterschiedliche Resultate für die Art des Produkts (Blüte vs. Konzentrat) oder die Potenz innerhalb der Produkte wurden nicht beobachtet”. Die Beeinträchtigung ließ nach etwa einer Stunde nach.

Trotz der Unterschiede der THC-Belastungen zeigten Blüten- und Konzentrat-Konsumenten nach akutem Cannabiskonsum ähnliche neurologische Verhaltensmuster

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Vorreiterstudie mit echten Cannabiskonsumenten

In einer Pressemitteilung der Universität von Colorado in Boulder wird diese Arbeit als “die erste bezeichnet, welche die akute Wirkung von Cannabis anhand realer Konsumenten von legalen Marktprodukten bewertet hat”, und besagt, dass die Befunde “Auskunft geben könnten über sämtliche Nüchternheitstests im Straßenverkehr, bis hin zu Entscheidungen über den persönlichen Freizeit- oder Medizingebrauch”.

Gesetzgeber und Polizeidienststellen, die davon ausgehen, dass beispielsweise höhere THC-Blutwerte mit einer größeren Beeinträchtigung korrelieren, müssen sich möglicherweise erneut darin ausbilden lassen, wie beeinträchtigtes Fahren zu messen ist. Verbraucher, die hoffen, dass Produkte mit hohem THC-Gehalt vermehrt überwältigende High-Zustände bedeuten, könnten sich dieses zusätzliche THC – und das dafür ausgegebene Geld – einfach sparen.

“Es stellen sich viele Fragen darüber, wie schnell der Körper eine Toleranz gegenüber Cannabis aufbaut und ob Menschen die gewünschten Wirkungen mit niedrigeren Dosen erreichen können”, sagt Bidwell.

Marihuana Konzentrat stärkeres High?

Kein Grund zur Besorgnis bei hochpotenten Konzentraten

Da in immer mehr Staaten legale Marihuana-Läden eröffnet haben, sind hochpotente Konzentrate nun in größerem Umfang verfügbar. Kritiker der Legalisierung von Marihuana sowie einige Gesundheitsexperten befürchten, dass diese Produkte Gesundheitsrisiken sowohl für den einzelnen Konsumenten als auch für die Gesellschaft im Allgemeinen auslösen könnten. Auch wenn die Studie der Universität von Colorado keine Fragen zu möglichen langfristigen Nebenwirkungen einer THC-Belastung beantwortet, deuten ihre Ergebnisse darauf hin, dass die kurzfristigen Auswirkungen von Konzentraten nicht notwendigerweise Anlass zu Besorgnis geben sollten.

“Die Menschen aus der Gruppe hoher Konzentrationen waren viel weniger beeinträchtigt, als wir angenommen hatten”, sagte Co-Autor Kent Hutchison, ein Professor für Psychologie und Neurowissenschaften an der CU Boulder, der ebenfalls Alkoholabhängigkeit erforscht. “Wenn wir den Leuten stattdessen eine so hohe Konzentration von Alkohol gegeben hätten, wäre die Sache anders verlaufen”.

CBD auf Rezept

Sättigung von Cannabinoid-Rezeptoren verhindert stärkeres High

Ein Grund dafür, dass höhere THC-Blutwerte nicht zu stärkeren Highs führten, könnte sein, dass die begrenzte Anzahl von Cannabinoid-Rezeptoren im Körper, an welche sich die THC-Moleküle binden, gesättigt wird, unabhängig davon, ob höhere oder niedrigere THC-Produkte verwendet werden. Jeglicher Überschuss an THC im Blutplasma des Konsumenten würde in dem Fall verstoffwechselt werden und zu keiner weiteren Beeinträchtigung beitragen.

“Cannabinoidrezeptoren könnten mit THC in höheren Konzentrationen gesättigt werden”, heißt es in der Studie, “wobei darüber hinaus die Wirkung von THC abnimmt.”

Nicht zu vergessen sind auch die “auffälligen Unterschiede in den Blutspiegeln”, welche die Studie zwischen den beiden Teilnehmergruppen verzeichnete. Die Forscher warnen davor, dass sich die kurzfristigen Auswirkungen des Konsums von Cannabis mit höherer Potenz zwar nicht wesentlich von eher traditionellen Methoden unterscheiden, man aber immer noch nicht viel darüber weiß, wie sich erhöhte Cannabinoid-Werte im Laufe der Zeit auf die Gesundheit auswirken.

“Kann es durch eine langfristige konzentrierte Aufnahme zu einer Störung der Cannabinoid-Rezeptoren kommen, welche Langzeitfolgen haben könnte?”, fragt Hutchison.

“Wird es dadurch schwieriger, mit dem Konsum aufzuhören, wenn und wann man will? Wir wissen es einfach noch nicht.”

CBD Führerschein

Autofahren unter Marihuana-Einfluss gilt statistisch als verkehrssicher

Die Kontroverse – und Ungewissheit – darüber, wie Cannabis die Fahrsicherheit beeinflusst, ist seit langem ein Streitpunkt bezüglich der Legalisierung der Pflanze. Und angesichts der anhaltenden Problematik der Assoziierung von THC-Werten mit einer Beeinträchtigung, ist es unwahrscheinlich, dass es bei dieser Diskussion in absehbarer Zeit zu einer Einigung kommen wird.

Mit der Ausbreitung der Legalisierung prüfen immer mehr Studien die Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit Marihuana. Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass Fahrer, die im Rahmen der gesetzlichen Grenzwerte (2-5 Nanogramm THC pro Milliliter Blut) in vielen Staaten getestet wurden, statistisch gesehen nicht häufiger einen Unfall verursachten als Personen, die kein Cannabis konsumiert hatten, was zu dem Schluss führte, dass “die Auswirkungen von Cannabis auf die Verkehrssicherheit derzeit relativ gering sind”.

CBD und Autofahren Gesetzeslage

Künftige Aufklärung über Marihuana am Steuer für Konsumenten

Zu Beginn dieses Monats legte die demokratische Führung in einem Ausschuss des Repräsentantenhauses einen Gesetzesentwurf vor, wonach die Staaten mit legalen Cannabis-Programmen die Entwicklung von Konzepten zur “Aufklärung der Fahrer über die Risiken, die mit dem Fahren mit Marihuana verbunden sind, und zur Reduzierung von Verletzungen und Todesfällen durch Personen, die Kraftfahrzeuge fahren, während sie unter dem Einfluss von Marihuana stehen”, ins Auge fassen.

Ein Kongressbericht aus dem Vorjahr deutet jedoch darauf hin, dass ein Großteil der Panikmache über Cannabis-beeinträchtigtes Fahren unbegründet ist.

“Obwohl Laborstudien gezeigt haben, dass der Konsum von Marihuana die Reaktionszeiten und die motorische Leistung einer Person beeinflussen kann”, schrieb der Congressional Research Service, “haben Studien über die Auswirkungen von Marihuana auf das Risiko eines Fahrers, in einen Unfall verwickelt zu werden, widersprüchliche Ergebnisse erbracht, wobei einige Studien nur ein geringes oder gar kein erhöhtes Risiko eines Unfalls durch Marihuana-Konsum feststellten.

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