Doppelt so viel Cannabis Rezepte in 2019

Neuer Rekord bei der Verschreibung von Cannabis

Doppelt so viel Cannabis Rezepte in 2019

Innerhalb eines Jahres, von Sept. 2018 bis September 2019 haben sich laut Angaben des GKV Spitzenverbandes, die Anzahl der Cannabis Verordnungen verdoppelt. Knapp 200.000 Rezepte gingen über die Ladentheke. Apotheken konnte mit Cannabis Arzneimitteln, Cannabis Blüten und diversen Zubereitungen einen Spitzenumsatz von über 84 Millionen Euro erwirtschaften.

Cannabis Blüten auf Platz 1

Unverarbeitete und meist THC haltige Cannabisblüten sind und bleiben damit immer noch Spitzenreiter. Das meist gefragteste Produkt ist damit weiterhin “Natur pur”. Knapp 70.000 Rezepte stellten Ärzte für das Naturheilmittel damit 2019 aus. Ein Gegenwert von über 50 Millionen Euro. Dronabinol und Sativex folgen mit über 40.000 Verordnungen, die von den Kassen bezahlt wurden. Besonders auffällig ist, dass die meisten Rezepte im Sommer über die Apothekentische wanderte. Gerade im Hochsommer Monat Juli erstatteten die Kassen über 11 Millionen.

Quelle: GKV GAMSI

Hilfreiche Adressen, von Cannabis erfahrenen und verschreibenden Ärzten und auch weiteren Anlaufstellen rund um Cannabis als Medizin findest Du auf der LeaflyMap für ganz Deutschand.

GKV Cannabis Verordnungen 2019

rot: Cannabis Blüten in unverändertem Zustand
dunkel-grau: verarbeitete Cannabis-Blüten 
blau: Cannabinoidhaltige Arzneimittel

Deutsche sind Cannabis als Medizin ggü. aufgeschlossen

Gleichzeitig wächst auch die Akzeptanz der Deutschen gegenüber dem Heilkraut mit den zackigen Blättern. Knapp die Hälfte von 2.000 Befragten können sich vorstellen, medizinisches Cannabis zur Behandlung diverser Symptome und Beschwerden einmal auszuprobieren. Auf jeden Fall aber finden 47% Cannabis eine gute Alternative zu traditioneller Arznei.

Nur bei der Frage nach der Legalität hinken wir deutschen dem europäischen Durchschnitt noch hinterher. Nur ein gutes Viertel aller Deutschen kann sich mit dem Gedanken anfreunden, Cannabis endlich zu legalisieren. Gar nicht vorstellen, dass Cannabis jemals legal werden könnte, sind zum Glück nur noch 12%. Da stecken die alten Parolen des letzen Jahrhundert wohl noch tief in den Gehirnwindungen.

Was Städte von einer Cannabis-Steuer hätten

Von der meist doch recht unsachlich und chaotisch geführten Diskussion mal abgesehen, ob Cannabis nun legalisiert werden sollte, oder nicht – würde es in Deutschland dazu kommen, dass nicht nur CBD Produkte sondern auch THC haltige Cannabis Produkte, wie z.B. in Cannada bis zu 30gr legal zu erwerben und zu besitzen wären, könnte damit eine Stadt wie Berlin über 100 Millionen Euro an Steuern einnehmen. Ob das wohl die altbackene Einstellung gegenüber dem wohl faszinierendsten Heilmittel der Neuzeit (Zitat Meloucham) etwas lockern könnte?

Quelle: Statisa

Cannabis Steuer 100Millionen für Berlin

Aber warum legalisiert Deutschland Cannabis nicht?

Cannabispflanze Illustration

Vielleicht fürchten sich die deutschen Politiker ja, vor dem italienischen Beispiel. Dort legalisierte die Regierung mehr oder weniger aus versehen im Dezember 2016 den Anbau von Cannabis sativa. Natürlich durfte das Erzeugnis nur 0.2% THC und weniger am Ende aufweisen, aber das irritierte niemanden. Über 2000 Betriebe schossen kurzerhand wie Pilze aus dem Boden. Auf über 4.000 Hektar bauten die Italiener nun Hanf an, was das Zeug hielt.

Schnell wurden die Extrakte mit hohem CBD und geringem THC Gehalt zur “Do-it-Yourself-Medizin”. Italiener tauschten Cannabis-Produkte gegen Medizin und zwar in einem derart auffälligen Umfang, das selbst die Wissenschaft darauf aufmerksam wurde. Eine Forschergruppe der York University untersuchte das Phänomen und stellten in Ihrer abschließenden Studie eindeutig fest, dass die Legalisierung von CBD Präparaten einen eindeutigen Einfluss auf den Konsum von gewöhnlichen Arzneimitteln hatte.

Patienten, die auf Cannabis umstiegen, konnten oft ihren Arzneimittelkonsum um bis zu 20% reduzieren. Vor allem Medikamente zur Vorbeugung von Angstzuständen (-11.4%), Beruhigungsmittel (-10%) und Antipsychotika (-4.8%) standen auf der “Abschussliste”.

Im Mai 2019 griff das Gericht dann ein und beendete die kurze, aber lehrreiche Phase frei verkäuflicher CBD Produkte in Italien wieder. Die Pharma wird aufgeatmet haben und der Umsatz sich wieder stabilisiert. Sicher, wo kämen wir denn auch in Deutschland hin, wenn plötzlich die Regale in den Apotheken voll blieben, Ärzte Naturheilmittel verschreiben und am Ende der Bürger mündig, die Verantwortung über seine Gesundheit selbst in die Hand nehmen würde?

27.12.2019: Nachtrag Einmalig in der Geschichte, aber in Italien darf jetzt zu Hause angebaut werden. Das Oberste Gericht in Rom entschied, das der Cannabisanbau von kleinen Mengen zu Hause nicht mehr strafbar ist. Damit ist nun neben dem Besitz & Konsum, nun auch der private Anbau von Cannabis legal. Nur in den eigenen vier Wänden muss weiterhin konsumiert werden. Wer auf der Strasse erwischt wird, hat nichts zu lachen. Dennoch, ein Novum in der italienischen Rechtsprechung.

Wie sieht´s aktuell in Deutschland aus, Frau Ludwig?

Unsere neue Drogenbeauftragte, Daniela Ludwig (CSU), die zuvor als verkehrspolitische Sprecherin der CDU/CSU Fraktion ihr Amt inne hatte, will zumindest ein Stück weit vom harten Kurs ihrer Vorgängerin abrücken. Ludwig will sich zuerst Modelle in anderen Ländern anschauen, wie sie in einem Interview ggü. dem SWR bekannt gab. Vor allem Portugal, die Niederlande und Luxemburg stehen auf ihrer “Watchlist”.

Ob und wenn ja wann man ggf. mit der Legalisierung von Cannabis zu rechnen hätte, diese Frage lässt sie aber auch unbeantwortet. Bleibt zu hoffen, dass sie aufgrund ihrer Erfahrungen aus ihrem vorherigen Amt, den Besten Weg zu finden weiß.

Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig

Legale, weiterverarbeitete CBD Blüten mit hohem CBD Gehalt

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