Cannabis jetzt auch “Made in Germany”

Cannabis made in Germany

Cannabis jetzt auch “Made in Germany”

Ab sofort ist für Apotheken auch Cannabis aus deutschem Anbau für den therapeutischen Einsatz verfügbar. Ein seit der medizinischen Freigabe 2017 geplantes Vorhaben geht damit an den Start.

Cannabis-Logisitik in Deutschland

Erste Lieferungen kommen von der Firma Aphria, einem kanadischen Hersteller der in Deutschland ein Tochterunternehmen betreibt. Das Cannabis wird in Neumünster in einer hochgesicherten Plantage angebaut. Auch die Tochter eines weiteren kanadischen Unternehmens nämlich Aurora und Demecan, ein Start-Up aus Berlin, sollen Cannabis liefern. Deren Lieferungen, die für Ende 2020 geplant waren werden sich jedoch weiter verzögern. Grund dafür sind zum Teil Lieferengpässe aufgrund von Corona beim Anlagenbau. Vor allem jedoch benötigen sie mehr Zeit um die Pflanzen gemäß den Vorgaben des Bfarm (Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte) zu kultivieren.

Ein weiteres Mosaiksteinchen ist die Cannabisagentur die dem Bfarm angeschlossen ist. Die Agentur nimmt das Cannabis von den Anbauern in Besitz und verkauft diese an Hersteller, Großhändler und Apotheken. Die damit einhergehenden Vertriebs- und Logistikleistungen übernimmt wiederum die Cansativa GmbH ein Start-Up aus der Frankfurter Gegend. Als einziges Unternehmen erhielten sie den Zuschlag des Bfarm für den Großhandel  mit eben jenen Blüten.

“Wir sind beauftragt, alle Apotheken, die bei uns das deutsche Medizinalcannabis bestellen, zu beliefern”, so der CEO von Cansativa Benedikt Sons. In der Realität bieten aber nicht alle 19000 Apotheken in Deutschland Cannabisblüten an, aktuell dürften es ca. 2000-2500 sein die sich darauf spezialisiert haben.

Wachstumsmarkt für Medizinalhanf

Mit der erfolgten Freigabe von Cannabis 2017 wächst der Markt in Deutschland beständig. Von ursprünglich rund 1000 Patienten ist die Zahl mittlerweile, laut Branchenschätzungen, bei mehr als 90.000. Auch die Zahlen der Krankenkassen die eine Übernahme der Kosten für Schwerkranke Patienten ermöglichen spiegeln dies wieder. Rund 175 Millionen Euro gaben sie im vergangen Jahr für Cannabismedikamente,- blüten und Extrakte aus. Diese Ergebnisse kommen von Insight Health einem Marktforschungsinstitut.

Summa Summarum wurden im vergangenen Jahr 37 Tonnen Cannabisblüten nach Deutschland eingeführt das sind 37% mehr als im Vorjahr. Für den Anbau in Deutschland hatte das Bfarm 2018 2,6 Tonnen im Jahr kalkuliert. Die Ausschreibung belief sich auf vier Jahre also insgesamt 10,4 Tonnen. Eine Deckung des Bedarfs in Deutschland lässt sich damit nicht erreichen wie die Zahlen aus den Importen erkennen lassen, diese wurden jährlich ausgebaut. Bei der Versorgung mit ausländischem Cannabis kam es immer wieder zu Engpässen. Grund dafür waren Missernten, verdorbene Lieferungen und Verzögerungen durch die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften.

Eine Verbesserung der Situation könnte mit Cannabis aus Deutschland eintreten:  „Die Lieferkette bei Cannabis aus Deutschland ist besser planbar, weil es viel weniger Schnittstellen gibt als bei den Importen aus dem Ausland “ meint Cansativa-Mitgründer Jakob Sons. Auch Dominik Ziegra von Insight Health erwartet eine deutliche Verbesserung der Versorgungssicherheit der Patienten.  „Wenn die geplante Jahresmenge von 2,6 Tonnen erreicht und gegebenenfalls auch noch um 50 Prozent ausgebaut wird, wie es laut Bfarm-Ausschreibung grundsätzlich möglich ist, könnte rund ein Drittel des derzeitigen Bedarfs aus deutscher Produktion gedeckt werden“ so der Marktexperte.

Günstigeres Cannabis für Selbstzahler?

Eine für viele Patienten sicherlich interessante Sache wird die Preisfrage sein. Laut einer Information des Bayrischen Apothekenverbandes soll das Cannabis des Bfarm für 4,30 Euro/Gramm abgegeben werden damit liegt er deutlich unter den aktuell gängigen Einkaufspreisen von acht bis neun Euro pro Gramm. Wie sich der Preis jedoch für Patienten ändern wird ist noch nicht absehbar. Für Selbstzahler sollte es aber möglich sein in Zukunft günstiger an Cannabis-Produkte zu kommen indem sie sich für ein deutsches Produkt entscheiden. Aktuell sieht die Apothekenvergütung bei Selbstzahlern einen Aufschlag von 100 Prozent auf den Einkaufspreis vor. Je niedriger dieser ist desto niedriger auch der Abgabepreis an den Patienten.

Für Erstattungen der gesetzlichen Krankenkassen gibt es jedoch wieder andere Regelungen. Bis jetzt konnten Apotheker einen Einkaufspreis von 9,52 Euro pro Gramm zugrunde legen. Abhängig von der verkauften Menge kamen Aufschläge hinzu. Aufgrund des nun günstiger verfügbaren Cannabis aus Deutschland soll dieser Wert angepasst werden.

“Grüne” Aussichten für Deutschland

Auch ohne Bezug auf die Preisgestaltung könnte Cannabis aus Deutschland den Markt positiv verändern. So zum Beispiel bei den Ärzten erwartet Jakob Sons. „Unser Eindruck ist, dass Ärzte mit Cannabis aus Deutschland subjektiv ein höheres Maß an Qualität verbinden. Das Label made in Germany erhöht das Vertrauen in ein immer noch stigmatisiertes Produkt“, sagt er. Die Wachstumsaussichten für Cannabis in Deutschland sieht Cansativa weiterhin sehr positiv. Das Unternehmen möchte in diesem Jahr erstmalig mehr als zwei Tonnen Cannabisblüten absetzten und dabei Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe erwirtschaften. Die Entgelte der Dienstleistungen für das Bfarm sind dabei nur ein Teil des Geschäfts. Einen Großteil des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen mit dem Import von Cannabisblüten aus Kanada, Dänemark, Spanien oder auch den Niederlanden.

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